Monitor kalibrieren?! – Warum?

On 29. Dezember 2017 by patrick

Spyder 4 Elite Pro

 

Es ist mal wieder so weit…

Immer zum Jahresende erinnere ich mich daran, was ich schon längst erledigt haben wollte… Den Monitor von meinem MacBook kalibrieren. Eigentlich erinnert mich die Software alle 3 Monate daran – nur im Alltag klicke ich diese Meldung gern mal weg und schreibe diese als aktuell nicht so wichtig ab. Schließlich habe ich den Monitor ja »grad« erst kalibriert. Mit dieser Ausrede für mich selbst schleppe ich mich dann über das Kalenderjahr.

 

Warum kalibrieren?

Bevor ich an dieser Stelle eine Grundsatzdiskussion auslöse – sei vorweg gesagt: Dies ist meine persönliche Meinung und beruht auf meinen Erfahrungen und Bedürfnissen. Also ich kalibriere meinen Monitor, weil ich eine Farbneutralität gewährleisten will. Dies ist mir besonders wichtig, wenn ich meine Bildergebnisse drucken lassen will. Schließlich soll das Druckerzeugnis dem Eindruck auf dem Monitor so gut wie möglich entsprechen. Dazu nutze ich „ICC“ Druckprofile, die von einigen Druckereien zur Verfügung gestellt werden. Die Kunst ist es also das additive Farbsystem am Monitor (hinzufügen eines jeweils anderen Farbreizes) auf Papier, Alu oder Acryl zu bekommen. Da die meisten Drucker mit CMYK, also die drei Farbbestandteile Cyan, Magenta, Yellow und den Schwarzanteil arbeiten ist es wichtig – feststellen zu können ob das am Monitor gesehene auch gedruckt werden kann bzw. auch gedruckt so aussieht wie ich es mir vorgestellt habe. Die gedruckten Farben entsprechen dann dem subtraktiven Farbsystem. Also das was unser Auge sieht (auf Grundlage von reflektierten und absorbierten Wellenlängen des lichts). Genau aus diesem Grund ist es auch nicht ganz unwichtig, wo ein gedrucktes Bild später einmal hängen soll. Denn farbveränderndes Licht wie z.B. eine Kerze, kaltes / blaustichiges LED Licht oder grelles Sonnenlicht hat einen entscheidenden Einfluss auf die Bildwirkung. Im besten Fall „wirkt“ das Bild am Monitor genauso wie das gedruckten Bild – danke Kalibrierung, „ICC“ Profilen und der richtigen Platzierung.

→ ACHTUNG: Ein direkter 1:1 Vergleich kann nicht wirklich angeführt werden, da der Monitor selbstleuchtend und strahlend wirkt und das gedruckte Bild auf die Reflektion des vorhandenen lichtes angewiesen ist. Ergo können beide nie übereinstimmen.

Links: Kalibriert // Rechts: Unkalibriert

 

Wie ich kalibriere.

Ich nutze zum kalibrieren einen Spyder 4 Elite Pro von datacolor. Ich habe mich damals für dieses Gerät entschieden, weil datacolor die größten am Markt sind und immer schnell mit updates kommen, wenn Apple sein Betriebssystem aktualisiert. Alle 3 Monate meldet sich die Software und regt an, den Monitor zu kalibrieren. Da ich selten Zeit dafür habe und dieser Hinweis in der Regel ungelegen kommt, schiebe ich den Abgleich meist bis zum Ende des Jahren. Genau da sind wir jetzt und ich finde die Zeit endlich einen Kalibrierungsvorgang zu starten. Dieser dauert dann meist auch nicht länger als 10 Minuten. Die Datei wird dann bei MacOS unter folgendem Pfad abgelegt: Library → ColorSync → Profiles → Displays 

Das gerade neu erstellte Farb – Profil kann dann unter den Monitoreinstellungen innerhalb der Systemeinstellungen (MacOS) aktiviert und genutzt werden.

Eine Ausnahme gibt es beim kalibrieren: Wenn ein wichtiges Projekt ansteht, dann schaffe ich es auch zwischendurch den Spyder auf meinen Monitor zu kleben und einen Abgleich zu machen. Insbesondere dann, wenn auch ein „print job“ inkludiert ist.

 

Die Vorteile.

Mal abgesehen davon, dass nach dem kalibrieren die Farbwiedergabe stimmt, ist es mir aus einem zusätzlichen Grund wichtig: Ich arbeite zu 90% mit Adobe Lightroom. In Lr ist es möglich nach und während einer Bildentwicklung einen sogenannten Softproof zu machen. Ein Softproof simuliert ein gedrucktes Ergebnis auf dem Monitor. Da ich z.B. von Saal Digital und White Wall die ICC Druckprofile habe, kann ich mir im Lr Softproof anzeigen lassen, ob das Bild unter den aktuell verwendeten Entwicklungseinstellungen so gedruckt werden kann. Bereiche die durch CMYK nicht abgedeckt werden können, markiert mir Lr. So weiß ich wo ich eine Anpassung vornehmen muss, damit das Bild gedruckt werden kann. Im Beispiel unten habe ich es mal mit der Sättigung etwas übertrieben 🙂

GELB: Fehler, die nicht gedruckt werden können // ROT: Softproof

 

Die meisten Menschen.

Da die meisten von Euch und somit auch meine Kunden keinen kalibrierten Monitor haben, unterscheide ich die ausgegebenen Daten in „print“ und in „screen„. Außerdem habe ich einen 0815 Monitor auf dem ich mir Fotos anschaue, die ich z.B. auf social media Plattformen wie instagram poste. Dadurch stelle ich sicher, dass keine allzu großen Abweichungen stattfinden und der subjektive Eindruck der Farben für gut befunden wird.

 

Kaudawelsch

 

Die Abkürzung CMYK steht für die drei Farbbestandteile Cyan, Magenta, Yellow und den Schwarzanteil Key. CMYK-Farbräume sind, wie RGB-Farbräume, geräteabhängig und benötigen deshalb Farbprofile, um Farbtöne exakt zu beschreiben.

 

Die additive Farbmischung (auch additive Farbsynthese oder physiologische Farbmischung) ist ein Phänomen, welches die Änderung des vom Auge empfundenen Farbeindrucks durch sukzessives Hinzufügen eines jeweils anderen Farbreizes beschreibt.

 

Als subtraktive Farbsynthese oder physikalische Farbmischung wird die Änderung eines Farbreizes bei Reflexion von der Oberfläche eines Körpers durch Remission oder beim Durchgang durch ein Medium (Farbfilter) durch Transmission bezeichnet.

 

Ein Softproof (in etwa: Weicher Probedruck, in Analogie zu Software) ist ein verbindlicher digitaler Probeabzug auf einem Monitor oder Projektor unter definierten Beleuchtungs- und Umfeldbedingungen, der vor einer finalen Auftragsfreigabe an eine Druckerei erfolgen kann.

 

Ein ICCProfil (International ColorConsortium) ist ein genormter Datensatz, der den Farbraum eines Farbeingabe- oder Farbwiedergabegeräts, z. B. Monitor, Drucker, Scanner etc. beschreibt.