Die größte Herausforderung beim Aufbau eines Smart Homes ist oft nicht die Technik selbst, sondern die Planung. Denn sicherlich möchte jeder vermeiden, dass nach kurzer Zeit die ersten "provisorien" ins Spiel kommen und der Kabelsalat hinter dem Sideboard immer größer wird.
Wichtig ist, dass man sich überlegt, was man möchte und was davon sinnvoll ist.
Alles kann nichts muss
Heutzutage ist es recht einfach geworden wirklich jede kleinigkeit technisch "smart" zu machen. Leider bedeutet das nicht immer, dass es einfacher wird. Es gilt zu ermitteln, welche Bereiche oder Funktionen den Alltag erleichtern, wenn diese "smart" umgesetzt und intergriert werden.
Ist es z.B. sinnvoll eine günstige smarte Glühbirne einzusetzen, die über eine eigene App steuerbar ist? Oder ist ein Ökosystem von Smart Home Komponenten besser, weil dieses den Einsatz von Bewegungsmeldern ermöglicht und die Glühbirne auch einschaltet, wenn das Handy und die App gerade einmal nicht zur Hand sind. ODER: Besucher / Kinder im Smart Home sind - die ggf. gar keine Möglichkeit haben die Glühbirne zu steuern.
Wie also Planen
Wie plant man nun also das erste "richtige" Smart Home? Zunächst habe ich mir gedanken darüber gemacht welche Komponenten im Haus smart sein sollen. Der Klassiker ist die Glühbirne. Aber auch Großgeräte wie der Kühlschrank, der Trockner oder die PV Anlage können sinnvoll sein. Dazu kommen Türschlösser, Klingeln, Fensterkontakte, Wassersensoren, Rauchmelder, Bewegungs und Präsenzsensoren, Audiogeräte wie Smart Speaker, Kameras, Wetterstationen, Mäh-und Saugrobotter, Bewässerung, Autos oder gar die Zahnbürste.
Der nächste Schritt war bei mir zu überlegen, welche Standards zum Einsatz kommen sollen. Ich habe mich für Funk entschieden - um flexibel zu bleiben. Zwar muss man hier auf die Abdeckung achten und Batterein wechseln aber damit kann ich sehr gut umgehen.
Die Funkstandards, die bei mir zum Einsatz kommen sind Zigbee (zu 80%), Bluetooth (5%) und WiFi (15%). Hier gilt es einiges zu beachten, denn alle senden im 2,4 GHz Bereich. Sie können sich also gegenseitig stören (Interferenzen). Darauf sollte man bei Platzierung und verkabelung am Hostsystem achten.
Stift & Papier
Ich habe mir dann pro Etage ein Blatt Papier genommen und mir einen Grundriss gezeichnet. In diesem Grundriss habe ich grob die Möbel vermerkt und angefangen Smart Home Komponenten einzutragen. Wo soll z.B. der Saugrobotter wohnen, wo eine Lampe und kommen sich WiFi, Bluetooth und Zigbee Geräte unmittelbar in die quere?
Im Anschluss habe ich mir über das Netzwerk gedanken gemacht. Zum einen sind hochwertige Access Point in meinen Augen ein Muss, zum anderen muss auch das Zigbee Netzwerk strategisch aufgebaut werden um Endpunktgeräte zuferlässig anzubinden. Hier kann es schon ausreichen, ein Steckdosen-Zwischenstecker zu nutzen. Da dieser am Dauerstrom hängt - funkgiert er als Zigbee Router. Aber auch eine Lampe kann das Netzwerk zuferlässig erweitern, sodass z.B. Fensterkontakte (Endpunkte, Batteriebetrieben) kontinuierlich funktionieren.
Als ich all das erledigt hatte, habe ich mir über "Verkehrswege" im Haus selbst gedanken gemacht. Wo läuft man lang, wo wäre ein Wandpanel gut platziert? Braucht man ein Nachtlich, Deckenauslässe für Netzwerk, Steckdosen für den Saugrobotter... Welche Etage hat welche Anforderungen? Wie viele Leuchten werden z.B. im Flur benötigt und reicht es einen Bewegungsmelder einzusetzen oder werden mehr benötigt um das Licht zuverlässig zu schalten.
Unter´m Strich haben diese Vorbereitungen dazu geführt, dass bei der Umsetzung wenig Überaschungen aufgetreten sind. Lediglich Änderungen in den Anforderungen habe ich im Zuge der Bauarbeiten noch umplanen müssen.
Was ich heute anders machen würde? Ich würde noch USB-Stromausgänge an den Decken und in den Ecken ergängen um kleine Dauerstromgeräte zu versorgen.